Montag, 27. Juni 2011

Sella Ronda: Stau mal wieder…

So ist das manchmal mit den tollen Touren. Da starten wir vorige Woche in Leifers, um die Dolomiten zu durchstöbern. Die langen Kehren von Auer aus dem Etschtal hinaus wärmen schon mal Herz und Hände. Zügig ist das Val di Fiemme durchfahren, erster Stopp für Panoramablick und Zigarette folgt am Lago di Forte Buso, zwischen Predazzo und Paneveggio.

Dann ab auf die Pässe. Der Passo di Valles stand noch nie auf meinem Programm, hab sonst immer den Rolle überrollt. War unklug. Schließlich ist der Valles mit 2.033 Metern ganze 63 höher und richtig rund zu fahren. Spaßprogramm am Vormittag.

1.260 Meter tiefer biegen wir in Cencenighe links nach Rocca Pietore ab. Dann den ebenfalls spaßigen Fedaia hoch, ein Ritt übers Kopfsteinpflaster der Staumauer inklusive. Das Mittagessen mundet hier oben mächtig gut. Ist deftig und kräftigend, lecker und seinen Preis wert. Tipp: Nehmt die obere Hütte. Ist besser als unten direkt an der Straße.

Blechdosen am Berg: Geparkt wird, wo's bequem
ist am Weltnaturerbe Dolomiten… Muss das sein?
Die Beschlusslage beim Espresso: Wir wollen noch über die Etsch nach Ritten und ins Sarntal – Speck direkt beim Erzeuger verkosten – und kaufen. Also bleibt als vermeintlich bester Weg Pordoi, Sella und das Grödnertal. Vermeintlich, weil schon ab Canazei der Verkehr Böses ahnen lässt. Zudem ist der Sella an Fuß wie Kopf mächtig wund – sprich: eine Großbaustelle. Fahrbahnerneuerung, Parkplatzverbreiterung, noch mehr Natur, die dem gefräßigen Massentourismus zum Opfer fällt. Und das mitten im Weltnaturerbe.

Als ich dann noch zwischen stinkenden Bussen, genervten Blechdosen-Treibern und überambitionierten Hobby-Radlern eingeklemmt unterhalb des prächtigen Felsmonuments auch noch einen gigantischen Baukran entdecke, dämmert selbst mir, dass es hier so nicht weitergehen kann.

Abends dann die große Diskussion mit Südtiroler Touristikern, denen wir die Lage schildern. Ich will ein wenig provozieren und merke an: „Dann macht doch Sella und Grödner Joch dicht für jeglichen Verkehr! Nur noch mit der Seilbahn hoch und gut ist.“ Kommt als Antwort: „Das wird schon diskutiert. Oder eine deftige Maut…“ Na, Mahlzeit.

Andererseits: Warum eigentlich nicht? Wie sonst will man dieses Naturwunder wirklich schützen? Andreas Hecht, der Betreiber von alpenrouten.de, hat über 1.600 anfahrbare Ziele für Motorradfahrer in den Alpen zusammengetragen. Ist das nicht wahrlich genug? Wer von uns wird die jemals alle fahren können? Und all die anderen, die dort nicht gelistet sind? Müssen wir uns dann tatsächlich auch noch auf der Sella Ronda tummeln?

Lasst uns das diskutieren. In der ALPENTOURER XING Gruppe oder auf unserer Facebook Fanpage. Wir freuen uns auf Eure Meinung…

1 Kommentar:

  1. Wolfgang Henne27. Juni 2011 23:42

    Klar müssen wir.
    Und zwar deshalb, weil die Sella-Ronda mit das genialste ist, was man als Motorradfahrer unter die Räder nehmen kann. Sowohl landschaftlich, wie auch fahrerisch. Man muß ja nicht unbedingt an den langen Wochenenden oder womöglich im August dort unterwegs sein.
    Oder als Tip... einfach mal morgens um 6 auf die Piste. Da hast du die ganze Pracht für dich alleine, Sonnenaufgang eingeschlossen.
    Ich bin total gegen eine Sperrung. Maut würde ich gerne bezahlen, das wird sich trotzdem immer lohnen, was man von vielen anderen mautpflichtigen Alpenstraßen nicht behaupten kann, leider auch einige aus dem Pässemarathon.
    Grüßle....
    Wolfgang Henne

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